Hans-Jochen Vogel zum 100. Geburtstag

Die Münchner Volkshochschule konnte als Mitveranstalterin eines Festakts zum 100. Geburtstag von Hans-Jochen Vogel am 3. Februar zum Andenken an diesen herausragenden Münchner beitragen.

Hans-Jochen Vogel war ein Superlativ der deutschen Politik: Mit nur 34 Jahren wurde er 1960 Münchens Oberbürgermeister. Er war aber 1981 auch sechs Monate lang Regierender Bürgermeister von Berlin und damit bis heute der einzige Oberbürgermeister von zwei deutschen Millionenstädten. Vogel war Bundesbauminister, Bundesjustizminister, SPD-Kanzlerkandidat, -Fraktionsvorsitzender und -Parteivorsitzender. In den Neunzigerjahren war Vogel Gründungsmitglied des Vereins „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ und in den ersten Jahren dessen Vorsitzender. Bis zu seinem Tod 2020 in München kämpfte Vogel engagiert für eine gerechtere Sozialpolitik und gegen Grundstückspreise als Spekulationsobjekt.

Als München sich von Hans-Jochen Vogel verabschiedete, geschah das mitten in der Covid-19-Pandemie ohne Gäste in einer live-gestreamten Trauerfeier. Am Dienstag nahmen die Münchner Volkshochschule (MVHS), der Verein „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ und der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter den 100. Geburtstag von Hans-Jochen Vogel zum Anlass, in einem Festakt an sein Wirken zu erinnern.

Beim Festakt im Alten Rathaus trafen sich gleich mehrere Amtsnachfolger von Hans-Jochen Vogel

  • Dr. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger
    sprach als ehemalige Bundesjustizministerin über die Herausforderungen, die ihr Amtsvorgänger während der Zeit des RAF-Terrors zu bewältigen hatte. Viel Anerkennung hatte sie auch für die Modernisierung des Ehe- und Familienrechts in Vogels Amtszeit.

  • Prof. Andreas Voßkuhle, ehemaliger Präsident des Bundesverfassungsgerichts und Vogels Nachfolger als Vorsitzender von „Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V.“, hob dessen Engagement für demokratischen Diskurs und für die Lehren aus dem Nationalsozialismus hervor.

  • Oberbürgermeister Dieter Reiter sprach über das ausdauernde Engagement seines Amtsvorgängers für München, nicht zuletzt für den Ausbau unserer städtischen Infrastruktur und für die erfolgreiche Bewerbung Münchens als Austragungsort der Olympischen Spiele 1972.
    Gemeinsam mit dem Künstler Bertrand Freiesleben und Sponsoren enthüllte der Oberbürgermeister beim Festakt am Dienstag eine Bronzebüste von Hans-Jochen Vogel, die künftig im Rathaus ausgestellt wird.

  • Alt-Oberbürgermeister (und MVHS-DozentChristian Ude erzählte kurzweilig davon, wie herausfordernd es für ihn als Sprecher der SPD-Jugend war, im Schatten des herausragenden Politikers Vogel über die Politik der eigenen Partei zu streiten und Aufmerksamkeit für andere politische Standpunkte zu erkämpfen. Dabei unterstrich Ude, wie verbindlich und respektvoll Vogel sich in allen Auseinandersetzungen verhielt.

  • Der frühere Bayerische SPD-Vorsitzende (und MVHS-DozentFranz Maget moderierte ein Podium mit den Redner*innen.

Das letzte Wort an diesem Abend hatte aber Hans-Jochen Vogel, der in einem kurzen Video-Interview zu sehen war.

Zu den weiteren Ehrengästen im Alten Rathaus gehörten die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern (und Mitglied des MVHS-Kuratoriums) Dr. Charlotte Knobloch, die sich ebenfalls im Vorstand von „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ engagiert; Bürgermeister Dominik Krause; der ehemalige Bundesbau- und Bundesarbeitsminister sowie ehemalige Vizekanzler und SPD-Parteivorsitzende Franz Müntefering; und der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse.