Türkei-Experten im Gespräch mit Christian Ude
Die Türkei war Thema bei "Politik der Woche": Serdal Altuntas, Memet Kilic, Christian Ude und Erkan Dinar (v.l.n.r.), Foto: © Martin Jost

War zu Gast an der MVHS

Die Münchner Volkshochschule begrüßt regelmäßig Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Politik und Kultur auf ihren Podien. An dieser Stelle blicken wir auf hochkarätige Besuche zurück.

29. November 2016: Die Türkei – ein Krisenherd als Bündnispartner? Christian Ude im Gespräch mit Türkei-Experten

„Shitstorms finden Sie im Netz genug. Dafür brauchen Sie nicht die Volkshochschule.“ Christian Ude plädiert für eine sachliche Diskussion auch unter Vertretern denkbar entgegengesetzter Positionen. Zu Gast an der Münchner Volkshochschule in Udes Kurs „Politik der Woche“ waren am 29. November Unterstützer von drei im türkischen Parlament vertretenen Parteien. Sie diskutierten über die Zukunft des Landes, in dem seit dem Putschversuch im Juli 2016 der Ausnahmezustand herrscht. Serdal Altuntas, Memet Kilic und Erkan Dinar stritten beherzt miteinander. Das verwundert nicht, wenn man bedenkt, was in der Türkei auf dem Spiel steht. Nicht zuletzt durch Udes einführenden Vortrag löste das Podium sein Versprechen ein: „Wir wollen heute mit einem Erkenntnisgewinn auseinander gehen.“

>> Weitere Veranstaltungen der Reihe „Politik der Woche“


8. November 2016: Arm und Reich – wird die Kluft immer größer? Christian Ude im Gespräch mit Gregor Gysi

Foto Gregor Gysi im Gespräch mit Christian Ude
Gregor Gysi zu Gast bei der MVHS, Foto: © MVHS, Alescha Birkenholz

„Arm und reich – wird die Kluft immer größer?“ Gregor Gysi, Bundestagsabgeordneter der Fraktion Die Linke, hält die Frage für längst beantwortet. Im Gespräch mit Alt-Oberbürgermeister Christian Ude am Dienstagabend bei „Politik der Woche“ belegte Gysi den Trend zu mehr Ungleichheit mit eindrücklichen Zahlen und setzte ihn als Prämisse. Seine Lösungsvorschläge, mit denen er nicht zuletzt einem Rechtsruck in Deutschland zuvorkommen will, sehen alle Parteien des demokratischen Spektrums als unverzichtbare Akteure vor. Gysi wird für sein rednerisches Geschick zu Recht gerühmt. Sein Besuch an der Münchner Volkshochschule war ein Plädoyer gegen Extremismus und für Zusammenarbeit in der Politik. „Parteien müssen kompromissfähig sein, sonst sind sie nicht demokratisch“, so Gysi.


27. September 2016: Die Neuvermessung Europas. Olga Mannheimer und Karl Schlögel zu Gast in der Offenen Akademie der Münchner Volkshochschule

Olga Mannheimer und Karl Schlögel zu Gast bei der MVHS
Olga Mannheimer und Karl Schlögel zu Gast bei der MVHS

„Den Raum verteidigen“ forderte der renommierte Historiker und Träger des Historikerpreises 2015 Dr. Karl Schlögel in einem Gespräch mit der Journalistin und Osteuropakennerin Olga Mannheimer. Schlögel gibt der Formel zwei Bedeutungen: Einerseits bräuchten Kulturen begrenzte Räume im Sinne von herkömmlichen geografischen Grenzen. Gleichzeitig müssten Experten den öffentlichen Diskurs-Raum besetzen. Zum Beispiel in Talkshows solle mehr Kompetenz vertreten sein anstatt die „Schreihälse“ des gesamten politischen Spektrums nach Proporz auftreten zu lassen.

Raum, Grenzen, Kontrolle, Überwachung – darum ging es in der Offenen Akademie der Münchner Volkshochschule beim Auftakt zur Veranstaltungsreihe „re:start Europe“. Olga Mannheimer ergänzte Schlögels Bild von der Rückeroberung des Diskursraumes um eine „Dekontaminierung kontaminierter Begriffe“. Ein Begriff, das „reale Europa“ fernab jeglicher Politik, sei bereits viel weiter als die Eurozone oder Schengen. Auf dieses reale Europa, diese „echten Ströme der Europäisierung“ treffe man beim Reisen, auf Städtefestivals oder in Form von Erasmus-Austauschen, welche Beziehungen, gar Ehen und gemeinsame Kinder als Früchte trügen.

Schlögel lobte den Umgang der Münchner mit der großen Zahl an Flüchtlingen: München reagiere nicht kopflos und panisch, sondern demonstriere seine Bereitschaft, den Wohlstand zu teilen. Die „heroische Gelassenheit“, die Städte wie Brüssel oder Paris im Umgang mit dem Terrorismus zeigten, hob er besonders hervor und führte sie als Beleg für die Lösbarkeit der aktuellen Krisen in Europa an.

Kritisch betrachtet Schlögel den Umgang mit der Ukraine, die ihm als Osteuropaforscher ein besonderes Anliegen ist. Die Ukraine sei vom deutschen Schuldgefühl nicht einbezogen, das sich nur auf Russland projiziere. Die Ukraine erscheine nicht auf der „mental map“ der Deutschen. Man wisse hierzulande kaum etwas über das Land, die Leute, den Kulturbetrieb. Schlögel wünscht sich einen größeren Austausch und schlug vor, das Oktoberfest doch einmal von Münchens Partnerstadt Kiew ausrichten zu lassen. Die Tatsache, dass Tausende von Deutschen auf die Straßen gingen, um gegen TTIP zu demonstrieren, aber stillschweigend die Gräueltaten am Rande Europas in Kauf nähmen, konnte Schlögel nur als bedauernswerte „Windstille der Friedensverwöhnten“ beschreiben.


26. September 2016: Mano Bouzamour – Niederländisch zum Verlieben

Bettina Bach, Mano Bouzamour, Martina den Hertog-Vogt
V.l.n.r.: Bettina Bach, Mano Bouzamour, Martina den Hertog-Vogt, Foto: © MVHS, Daniel Reiter

„Ich bin zuallererst Amsterdamer“, sagt Mano Bouzamour auf die Frage nach seiner Identität. Normalerweise wird sie ihm als Entscheidungsfrage vorgelegt: Ob er sich nun mehr als Marokkaner fühle oder mehr als Niederländer. Dabei ist er in Amsterdam geboren und aufgewachsen. 

Genau wie Samir, der Held seines Romans „Samir, genannt Sam“. Samir wehrt sich teils schlitzohrig, teils wutschnaubend gegen die Rollen, in die Eltern, Lehrer und Freunde ihn pressen wollen. Mano Bouzamour sagte bei seiner Lesung in der Offenen Akademie der Münchner Volkshochschule, als Schriftsteller müsse man kompromisslos sein. Verwandte und Freunde haben nach der Veröffentlichung von „Samir, genannt Sam“ mit Bouzamour gebrochen, ihn sogar bedroht. Gleichzeitig wurde der Roman in den Niederlanden zum Bestseller. 

Rechtzeitig zur Frankfurter Buchmesse, auf der die Niederlande und Flandern in diesem Jahr als Gastland vertreten sind, ist „Samir, genannt Sam“ auf Deutsch erschienen. Übersetzt hat es Bettina Bach. Unter dem Motto „Niederländisch zum Verlieben“ erzählte sie anschaulich von ihrer Arbeit. Sie gab Beispiele für die Entscheidungen, die eine Übersetzerin treffen muss, wenn niederländische Literatur geschmeidig für deutsche Leserinnen und Leser funktionieren soll. Zu Mano Bouzamours anderer Seite saß Martina den Hertog-Vogt, die für ihn auf der Bühne übersetzte. 

Der Abend bot sowohl Einblick in aktuelle gesellschaftliche Themen in den Niederlanden als auch in die Eigenheiten und Schönheit der niederländischen Sprache. Mano Bouzamour und Bettina Bach haben Lust gemacht, das Niederländische zu entdecken.


25. Juli 2016: Bildungsreferentin Beatrix Zurek gratuliert zum nachgeholten Schulabschluss

Dr. Susanne May, Beatrix Zurek und Prof. Dr. Klaus Meisel
V.l.n.r.: Dr. Susanne May, Beatrix Zurek und Prof. Dr. Klaus Meisel, Foto: © MVHS, Peter Neusser

Die Bildungsreferentin der Landeshauptstadt München, Beatrix Zurek drückte am Montag, dem 25. Juli, den Absolventinnen und Absolventen der nachholenden Schulabschlüsse an der Münchner Volkshochschule ihren großen Respekt aus. Sie hätten Ausdauer und Entschlossenheit bewiesen. 230 junge Menschen – davon 40 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge – haben sich im Lehrgangsjahr 2015/16 an der Münchner Volkshochschule (MVHS) auf ihren Mittelschulabschluss oder auf die Mittlere Reife vorbereitet. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten an der MVHS Tages- oder Abendlehrgänge zum Teil neben einer Berufstätigkeit besucht oder hatten in den Projekten FlüB&S („Flüchtlinge in Beruf und Schule“) und „Starten statt Warten“ gelernt. Neben Beatrix Zurek sprach Antje Herbst, die Leiterin der Stelle für interkulturelle Arbeit im Sozialreferat der Landeshauptstadt München, ein Grußwort. Die Zeugnisrede hielt Prof. Dr. Klaus Meisel, Managementdirektor der Münchner Volkshochschule.

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25. Juni 2016: Alt-Oberbürgermeister Vogel und Kulturreferent Küppers bei der Eröffnung von Guardini90

Dr. Hans-Georg Küppers, Dr. Hans-Jochen Vogel, Dorothea Wettmann, Johann Stadler und Jens Röver
V.l.n.r.: Dr. Hans-Georg Küppers, Dr. Hans-Jochen Vogel, Dorothea Wettmann, Johann Stadler und Jens Röver, Foto: © MVHS, Peter Neusser

Haderns Stadtteil-Kulturzentrum Guardini90 ist eröffnet! Das Haus in der Guardinistraße 90 am Haderner Stern bietet Vereinen, Projekten und Kulturinitiativen auf 280 Quadratmetern Raum für Veranstaltungen und Treffen. Die Münchner Volkshochschule (MVHS) ist mit ihrem Stadtbereich Süd schon viele Jahre unter der Adresse zu Hause, genau wie die Münchner Stadtbibliothek. Die MVHS hat die Organisation des täglichen Betriebs von Guardini90 übernommen.

Zum Eröffnungsfest der Begegnungsstätte Ende Juni schauten unter anderem Münchens Kulturreferent Dr. Hans-Georg Küppers, Alt-Oberbürgermeister Dr. Hans-Jochen Vogel, die langjährige Vorsitzende von „Kultur in Hadern“, Dorothea Wettmann, der Vorsitzende des Bezirksausschuss 20, Johann Stadler, und SPD-Stadtrat Jens Röver vorbei (v.l.n.r.).


17. April 2016: Nahost-Experten zu Gast an der Münchner Volkshochschule

Prof. Dr. Micha Brumlik im Gespräch mit Alexandra Senfft und Gästen
V.l.n.r: Viola Raheb, Prof. Dr. Johannes Becke, Prof. Carlo Strenger, Alexandra Senfft, Prof. Dr. Micha Brumlik, Richard C. Schneider, Foto © MVHS, Alescha Birkenholz

Eine stabile Zwei-Staaten-Lösung zur Befriedung des Israel-Palästina-Konflikts ist mehr als unwahrscheinlich – soweit herrschte Konsens zwischen den Gästen des Podiums, das die Tagung „Frieden im Nahen Osten – eine Utopie?“ beschloss. Prof. Dr. Micha Brumlik sagte, es sei Zeit, sich einzugestehen, dass die Zeit für eine Zwei-Staaten-Lösung abgelaufen sei – sowohl der israelischen Siedlungstätigkeit "on the ground" als auch des Umstandes wegen, dass es sogar unter internationalem Druck keine denkbaren Mehrheiten gibt, die dies umsetzen, geschweige denn militärisch durch Räumung der Siedlungen exekutieren könnten. Alexandra Senfft findet es „grotesk“, dass eine deutsche Kanzlerin das Existenzrecht und die Sicherheit Israels zur Staatsraison erkläre und damit einen Diskurs befeuere anstatt ihn zu beenden – denn Israels Existenzrecht und Sicherheit zu betonen impliziere geradezu, dass diese auch in Frage gestellt werden könnten. Deutsche Staatsraison solle hingegen sein, sich für die Sicherheit, Freiheit und das Selbstbestimmungsrecht von Israelis und Palästinensern zugleich einzusetzen.


5. April 2016: Gesine Schwan bei „Politik der Woche mit Christian Ude“

Foto Gesine Schwan
Gesine Schwan, Foto: © MVHS, Alescha Birkenholz

Zum Thema „Europa vor dem Aus?“ fand am 5. April der letzte Abend der Reihe „Politik der Woche mit Christian Ude“ in diesem Frühjahr statt. Alt-Oberbürgermeister Christian Ude hatte mit der Politikwissenschaftlerin und langjährigen Präsidentin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder Prof. Dr. Gesine Schwan eine an sich begeisterte Europäerin zu Gast. Frau Schwan warnt allerdings vor einer zunehmenden Entsolidarisierung innerhalb der Europäischen Union. Der Mensch sei nicht nur als ein „egoistischer homo oeconomicus“ zu denken, wie viele Parteien und Pressestimmen postulierten, sondern durchaus gewillt, Aufgaben wie die Flüchtlingssituation und die Finanzsituation Griechenlands solidarisch anzugehen. Im vollbesetzten Vortragssaal begeisterte die mehrfach für das Amt der Bundespräsidentin Nominierte mit schlagkräftigen Argumenten und mitreißender Rhetorik.

Im Herbst 2016 wird die Reihe „Politik der Woche mit Christian Ude“ mit neuen Gästen und Themen fortgesetzt.


22. März 2016: Jürgen Todenhöfer bei „Politik der Woche mit Christian Ude“

Foto Jürgen Todenhöfer
Jürgen Todenhöfer, Foto: © MVHS, Alescha Birkenholz

Der Andrang bei Christian Udes Kurs „Politik der Woche“ an der Münchner Volkshochschule war so groß, dass der Carl-Orff-Saal mit seinen 600 Plätzen nicht alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer aufnehmen konnte: Am 22. März war Jürgen Todenhöfer zu Gast. Der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete und umtriebige politische Aktivist und Publizist sprach über seine Recherchereise durch den „Islamischen Staat“. Am Tag der Terroranschläge von Brüssel, zu denen sich der „IS“ bekannt hat, hatte das Thema eine denkbar unangenehme Aktualität.


9. März 2016: „Who the  fuck is Kafka“ – Lesung mit Lizzie Doron

Foto Lizzie Doron
Lizzie Doron, Foto:© MVHS, Alescha Birkenholz

Die Bücher von Lizzie Doron sind in ihrer Heimat Israel Bestseller, teilweise gehören sie sogar zur Pflichtschullektüre. Als Kind einer Holocaust-Überlebenden beschäftigt sie sich darin vor allem mit der Schoah.

Mit „Who the fuck is Kafka“ hat Doron sich auf ein völlig neues Themengebiet gewagt: In ihrem halbfiktiven Doku-Roman beschreibt sie ihre Freundschaft zu dem Palästinenser Nadim aus Ost-Jerusalem. Prompt fand sich dafür in Israel kein Verleger, so dass das Buch bisher nur in einer deutschen Übersetzung von Mirjam Pressler vorliegt.

Im lebendigen Gespräch mit ihrer Übersetzerin führte uns Lizzie Doron hautnah heran an einen unlösbar erscheinenden Konflikt – und doch scheint es manchmal, als hielten sich Verzweiflung und Hoffnung – auf eine gemeinsame Sprache, auf die Möglichkeit einer friedlichen Koexistenz – die Waage.

Die Münchner Schauspielerin Gaby Welker las ausgewählte Textpassagen.


30. Januar 2016: Bildungsexperten diskutieren über Teilhabe für Flüchtlinge

Foto Münchner Bildungsforum
V.l.n.r.: Dr. Susanne May, Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani, Dr. Stephan Dünnwald, Peter Driessen, Dr. Holger Kolb, Prof. Dr. Klaus Meisel, Foto: © MVHS, Alescha Birkenholz

Wer flieht, hat Zutrauen und Stärke, nur so kann die gefährliche Flucht überhaupt gelingen. Nach ihrer Ankunft in Deutschland werden die Flüchtlinge aber ausgebremst. Gesetzliche und bürokratische Hürden lassen ihre hohe Motivation ins Leere laufen. Über Monate, sogar Jahre, sind sie ohne Aussicht auf Arbeit oder Bildung. Als Einwanderungsland verwehren wir uns damit nicht nur selbst gewaltige produktive Energie, sondern versagen auch den Flüchtlingen die wichtigste Form der gesellschaftlichen Teilhabe.

Die Expertinnen und Experten für Erwachsenenbildung, die am 30. Januar 2016 zum Bildungsforum an der Münchner Volkshochschule (MVHS) zusammenkamen, waren sich darüber einig, dass Flüchtlingen gleich nach ihrer Ankunft der Zugang zu Arbeit und Bildung ermöglicht werden muss.

In Foren konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Bildungsforum gelingende Modelle der Teilhabe von Flüchtlingen kennen lernen, die in Deutschland schon funktionieren.

Die Teilnehmer am Abschlusspodium diskutierten aus den Blickwinkeln der Forschung, der Flüchtlingshilfe und der Wirtschaft, welche Perspektiven es für die Teilhabe von Flüchtlingen in Deutschland gibt. Prof. Dr. Klaus Meisel (Managementdirektor der MVHS), Dr. Holger Kolb (für den Sachverständigenrat Deutscher Stiftungen für Integration und Migration), Peter Driessen (Hauptgeschäftsführer der IHK München und Oberbayern), Dr. Stephan Dünnwald (für den Bayerischen Flüchtlingsrat) und Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani (Fachbereich Sozialwesen an der Fachhochschule Münster) waren sich einig, dass Deutschlands Institutionen und Gesetze zügig der Tatsache Rechnung tragen müssen, dass wir ein Einwanderungsland geworden sind. Das Podium moderierte Dr. Susanne May (Programmdirektorin der MVHS).


19. Januar 2016: Einwanderung als Chance der Selbstreflexion – ein Abend mit Paul Scheffer und Armin Nassehi

Foto: Paul Scheffer im Gespräch mit Armin Nassehi
Foto: Paul Scheffer im Gespräch mit Armin Nassehi © MVHS, Peter Neusser

Der renommierte niederländische Soziologe Prof. Paul Scheffer hat mit seinem Buch „Die Eingewanderten“ 2008 ein internationales Standardwerk vorgelegt. Darin untersucht er die großen Wanderungsbewegungen und den Einfluss von Zuwanderern auf ihre neuen Gesellschaften.

Jetzt ist sein Buch in einer aktualisierten Fassung erschienen. Am 19. Januar stellte Paul Scheffer seine Thesen in der Offenen Akademie der Münchner Volkshochschule vor.

Für Scheffer ist Immigration vor allem eine Einladung zur Selbstreflexion: Erfolgreiche Integrationspolitik setze voraus, dass sich die Einwanderungsgesellschaft über gemeinsame Normen und Regeln verständigt, die sie nicht in Frage stellen will. „Entweder wird die Immigration zum Anlass genommen, über ein neues ‚Wir‘ nachzudenken, oder man sieht in ihr das Ende des ‚Wir‘“, so Paul Scheffer.

Einfache Antworten auf die Herausforderungen der weltweiten Fluchtbewegungen kann auch er nicht geben. Das wird im Gespräch mit Prof. Armin Nassehi, Soziologe an der Münchner LMU, deutlich. Trotzdem oder gerade deshalb ist die Diskussion an diesem Abend engagiert, pointiert und dabei differenziert.


7. Oktober 2015: „Exodus – Warum Europa eine neue Flüchtlingspolitik braucht“ – Eröffnungsvortrag zum MVHS-Programmschwerpunkt „Exodus – Menschen auf der Flucht“ mit Heribert Prantl

Foto Eröffnung Schwerpunkt "Exodus - Menschen auf der Flucht"
SZ-Chefredakteur Heribert Prantl (Mitte) erläuterte in seinem Vortrag, warum Europa eine neue Flüchtlingspolitik braucht. Im Anschluss präsentierten Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem Projekt FlüB&S ihre Ausstellung mit selbst gestalteten Plakaten. Foto: © MVHS, Peter Neusser

Unter dem Titel „Exodus – Warum Europa eine neue Flüchtlingspolitik braucht“ eröffnete SZ-Chefredakteur Prof. Dr. Heribert Prantl den Programmschwerpunkt der Münchner Volkshochschule „Exodus – Menschen auf der Flucht“.

Prantls Überlegungen über eine neue europäische Flüchtlingspolitik, die von Solidarität und Respekt gegenüber dem Anderen geprägt sein muss, zogen über 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Gasteig.

Im Anschluss an den Vortrag eröffneten Jugendliche aus dem MVHS-Projekt „Flüchtlinge in Beruf und Schule“ (FlüB&S) die Ausstellung „Gekommen, um zu bleiben“. Sie hatten gemeinsam mit dem Grafiker Thomas Mayfried in einem Workshop Plakate gestaltet. Die Poster zeigen in klarer, direkter Symbolik den Wert, den Bildung für junge Flüchtlinge hat.

Der Programmschwerpunkt nähert sich noch bis Februar 2016 in über 120 Veranstaltungen zur Flüchtlings- und Asylpolitik, zu den Fluchtgründen und auch Einzelschicksalen von Geflohenen sowie der Möglichkeit von ehrenamtlicher Hilfe in der Flüchtlingsarbeit diesem hochaktuellen Themenkomplex.


10./11. Juli 2015: Barbara Stamm auf der Fachtagung „Ins Spiel kommen – Inklusion und öffentlich verantwortete Erwachsenenbildung“

Foto von Barbara Stamm zu Gast auf der Fachtagung "Ins Spiel kommen"
Foto: © MVHS, Peter Neusser

70  Expertinnen und Experten waren am 10./11. Juli zu Gast an der Münchner Volkshochschule. Unter dem Motto „Ins Spiel kommen“ berieten und diskutierten sie über Inklusion in der Erwachsenenbildung. Als Ergebnis der Tagung verabschiedeten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die „Münchner Erklärung zur Inklusion und öffentlich verantworteten Erwachsenenbildung“

In ihrer Begrüßungsrede  betonte die Programmdirektorin der MVHS Dr. Susanne May „Inklusion ist keine rein organisatorische Angelegenheit, sie birgt das Potential, unser Verständnis von Bildung zu reflektieren.“ Landtagspräsidentin Barbara Stamm wies in ihrem Grußwort darauf hin, dass man Inklusion nicht einfach überstülpen könne, sie müsse wachsen. Aber auch hierfür bedarf es entsprechender Voraussetzungen und Haltungen: Inklusion beginnt in den Köpfen. Prof. Dr. Heiner Bielefeldt, Inhaber des Lehrstuhls für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik der Universität Erlangen-Nürnberg, ging in seinem Eröffnungsvortrag auf das Innovationspotential des „Übereinkommens der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen“ ein. Die UN-BRK dürfe nicht als eine „Spezialkonvention“ missverstanden werden, die von „Sonderrechten“ handele; vielmehr gehe es um die allgemeinen Menschenrechte aus der Perspektive von Menschen mit Behinderungen. Stadtrat Oswald Utz, der Behindertenbeauftrage der LH München bedauerte, dass „Menschen mit Behinderungen immer noch in der Rolle des Bittstellers sind. Die Möglichkeiten der selbstverständlichen Teilhabe an Bildung müssen – auch über ein Bundesteilhabegesetz – infrastrukturell und finanziell garantiert werden. Georg Eisenreich, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium bedauerte, dass die Erwachsenenbildung bisher nicht im Focus der Inklusionsbemühungen stand, obwohl sie einen zentralen Stellenwert hat. Auf der Tagung wurden verschiedene  Projekte einer inklusiven Erwachsenenbildung aus dem VHS-Bereich vorgestellt. Diese zeigen: Es geht! Gleichwohl, so Prof. Dr. Klaus Meisel, Managementdirektor der Münchner VHS und erster Vorsitzender des bayerischen VHS Verbandes, „Man kann mehr machen, als derzeit getan wird.“

Die Fachtagung „Ins Spiel kommen – Inklusion und öffentliche Erwachsenenbildung“ wurde gemeinsam von der Gesellschaft Erwachsenenbildung und Behinderung  Deutschland e.V., der Ludwig-Maximilians- Universität München, der Münchner Volkshochschule und dem bayerischen Volkshochschulverband veranstaltet.


22. April 2015: Der rumänisch-armenische Autor Varujan Vosganian stellt seinen Roman „Buch des Flüsterns“ in der Black Box vor

Foto  Varujan Vosganian liest aus seinem Roman „Buch des Flüsterns“
Foto: © MVHS, Alescha Birkenholz

Wahrlich als „Jahrhundertbuch“ muss man das „Buch des Flüsterns“ bezeichnen. Zusammengesetzt aus unzähligen kleinen Geschichten, erzählt Varujan Vosganian die tragische Geschichte der Armenier – eine Geschichte, die sich ein Jahrhundert lang durch halb Europa und Kleinasien zieht.

Der in viele Sprachen übersetzte Roman gilt neben Franz Werfels „40 Tage des Musa Dagh“ als eines der beiden großen Bücher, die im 20. Jahrhundert vom Schicksal der Armenier erzählen. Im Rahmen des Programms „1915 | 2015 – Der Genozid an den Armeniern“ stellte der rumänisch-armenische Autor Varujan Vosganian in München die Saga seines Volkes vor, das die „sieben Kreise des Todes“ durchlaufen hat. 

Der Lesung einiger alptraumhafter Passagen, die eindrücklich die Massenvernichtung des Volkes seiner Vorfahren erfahrbar machten, folgte ein Gespräch des Autors mit seinem Übersetzer Ernest Wichner. Vosganian betonte dabei wiederholt, dass es ihm nicht um Anklage gehe, sondern um die Erinnerung – Erinnerung an die Widerstandskraft seines kleinen Volkes und um die Anerkennung eines ungeheuren Leids. „Wenn man aufrichtig ist, schreit man nicht, man flüstert.“

Weitere Veranstaltungen in der Reihe „1915 | 2015 – Der Genozid an den Armeniern“:

  • terra arMEnia
    Ausstellung mit Foto- und Video-Porträts von Erol Gurian. Noch bis 25. Mai 2015 täglich von 10 bis 22 Uhr, Aspekte Galerie im Gasteig.
  • Von der Bildidee zur Präsentation
    Fotoworkshop mit Erol Gurian, Fotograf der Ausstellung „terra arMEnia“. Sa 2. Mai 2015, 10 Uhr, Gasteig.
  • Die Dunkle Seite der Nationalismen: Ethnische „Säuberungen“ im 20. Jahrhundert
    Vortrag von Prof. Dr. Michael Schwartz. Mo 4. Mai 2015, 19 Uhr, Gasteig.

15. April 2015: Theo Waigel bei „Politik der Woche mit Christian Ude“

Foto Theo Waigel zu Gast bei Christian Ude
Foto: © MVHS, Peter Neusser

Der letzte Abend der Reihe „Politik der Woche mit Christian Ude“ war noch einmal ein Paukenschlag: Nach dem ersten Abend mit dem Istanbuler Bürgermeister Ali Kilic zur politischen Lage in der Türkei, einem Abend zur Krise in Griechenland mit einer Diskussion zwischen Stavros Konstantinidis und Georg Anastasiadis (Wirtschaftsressort Münchner Merkur), dem Abend zu Pegida mit dem Jenaer OB Albrecht Schröter und dem Münchner AfD-Stadtrat Fritz Schmude endete die Reihe für dieses Frühjahr mit dem Namensgeber des Euro, Bundesfinanzminister a.D. Theo Waigel.

Dr. Waigel führte die Gründe dar, warum der Euro gut für Europa und die europäische Friedenssicherung ist und erhielt lang anhaltenden Applaus, nachdem er erzählt hatte, wie durch einen spontanen Geistesblitz der Euro zu seinem Namen kam. Über zwei Stunden stellte er sich den Fragen von Christian Ude. Waigel war es wichtig zu betonen, dass die europäische Finanzpolitik sich auch weiterhin darauf besinnt, ein Auseinanderbrechen des Währungsraums zu verhindern.