Erinnerung für die Zukunft – Jüdisches Leben in Deutschland

Veranstaltungsreihe anlässlich des Festjahres 321–2021. 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland 
Oktober 2021 bis Februar 2022

(Pressemitteilung der Münchner Volkshochschule vom 4. Oktober 2021)

„Gegen den Hass zu bestehen, ist ein täglicher Kampf, den die jüdische Gemeinde nicht allein kämpfen kann“, sagte die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG), Dr. Charlotte Knobloch, im Frühsommer bei einer Kundgebung gegen Antisemitismus. Ellen Presser, die Leiterin des Kulturzentrums der IKG, nennt die Münchner Volkshochschule (MVHS) eine Partnerin, die als große zivilgesellschaftliche Institution verlässlich an der Seite der Kultusgemeinde steht – und das nicht erst seit dem aktuellen Festjahr «321–2021. 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland», sondern bereits seit Jahrzehnten.

Die Zusammenarbeit von IKG und MVHS reicht mindestens ins Jahr 1988 zurück, als diese beiden Institutionen bei der Ausstellung der Aspekte Galerie der Münchner Volkshochschule im Gasteig, «Auschwitz warnt», kooperierten. Ferner zeigte die MVHS ab 1997 bis zu ihrem Auszug die Geschichte des Hauses in der Lindwurmstraße 127 (Rückgebäude) in der Dauerausstellung «Kein Ort mehr». Dieses Gebäude, das der Israelitischen Kultusgemeinde als letzte Adresse diente, ehe jüdisches Leben vollständig aus der „Hauptstadt der Bewegung“ eliminiert wurde, war nämlich bis 2017 ein MVHS-Standort. Heute erinnert eine Stele am Gehweg an die Geschichte des Ortes, die von einer Geschichtswerkstatt der Münchner Volkshochschule erforscht wurde.

„Es ging uns von Anfang an und insbesondere heute darum, dem Antisemitismus den Boden zu nehmen und jüdische Kultur und jüdische Lebenswelten in all ihren Facetten bekannter und sichtbarer zu machen. Der Tisch ist reich gedeckt“, so Dr. Susanne May, die Programmdirektorin der Münchner Volkshochschule. Ellen Presser sieht in der Kooperation zwischen IKG und MVHS die Chance, nicht allein Mitglieder der Gemeinde und andere Menschen zu erreichen, die an jüdischem Leben und jüdischer Kultur ohnehin interessiert sind, sondern einen repräsentativen Querschnitt der Münchner Bevölkerung, wie ihn die Teilnehmenden der MVHS abbilden.

München blickt noch nicht auf 1700 Jahre jüdisches Leben zurück, aber seit immerhin 792 Jahren gehören jüdische Bürgerinnen und Bürger – allerdings mit erzwungenen Unterbrechungen von 1442 bis circa 1750 und von 1933 bis 1945 – zur Stadtgesellschaft und haben diese mitgeprägt. Der facettenreichen, aber eben auch bitteren und von unvorstellbaren Abgründen geprägten Geschichte und Gegenwart jüdischen Lebens widmen die MVHS und die IKG die Veranstaltungsreihe „Erinnerung für die Zukunft – Jüdisches Leben in Deutschland“. Gemeinsam laden sie die Münchner Stadtgesellschaft dazu ein, jüdische Traditionen und Lebenswelten kennenzulernen und ins Gespräch zu kommen.

Über 50 Veranstaltungen, darunter Podien, Vorträge, Ausstellungen, Filme, Konzerte und Exkursionen, bieten historische und aktuelle Aspekte, kontroverse Debatten, ernste und vergnügliche Themen, interessante Begegnungen mit zeitgenössischen Autoren wie Minka Pradelski und Robert Schindel und Einblicke etwa in die kreative Produktivität des jüdischen Musiklebens – eine einzigartige Gelegenheit für alle Münchnerinnen und Münchner, jüdisches Leben in seiner Vielfalt kennenzulernen.

Auftaktveranstaltung
Zum Auftakt am 7. Oktober führt der aus München stammende Potsdamer Religionswissenschaftler Daniel Krochmalnik in die Verschränkung der drei Zeitdimensionen in der jüdischen Tradition ein und stellt die Frage nach Erinnerung und Gedenken, gerade auch in Deutschland, ganz neu. Ein Grußwort spricht die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch.

Erinnerung in der Vielfalt der Stimmen
Bei dem Podium „Vielstimmig“ sprechen mit Juna Grossmann, Dimitrij Kapitelman und Hannah Peaceman drei junge Vertreter*innen der heutigen bunten jüdischen Community über die unterschiedlichen Identitäten in ihrer Gemeinschaft (18. Oktober).

In einer Reihe von Exkursionen lässt sich jüdisches Leben in München und darüber hinaus entdecken. Eine Führung folgt den Spuren von Gustav Landauer (28. Oktober), eine andere erinnert an die einst jüdisch geprägte Isarvorstadt (23. Oktober). Ein gemeinsames Exkursionsprojekt von Augsburg, Regensburg und München thematisiert die Vielfalt jüdischen Lebens in Bayern (ab 10. Oktober).

Eine Ausstellung in der Galerie 2411 zeigt ab 18. November Karikaturen aus der Weimarer Republik von J. D. Kirszenbaum – einem zu Unrecht fast vergessenen Künstler und kritischen Zeitzeugen.

„Erzähl mir Deine Geschichte“ – unter diesem Titel lädt die MVHS jüdische Münchnerinnen und Münchner zur Begegnung mit Teilnehmenden aus Deutsch- und Integrationskursen ein und baut so eine Brücke zwischen ihren ganz unterschiedlichen Teilnehmergruppen.

Zwiesprachen zwischen gestern und heute
In der Reihe „Zwiesprachen zwischen gestern und heute“ kommt jeweils eine zeitgenössische mit einer historischen Persönlichkeit wie Hannah Arendt oder Walter Benjamin „ins Gespräch“. In der Begegnung mit ihrem Leben und Werk wird sichtbar, wie aktuell deren Ideen und Erkenntnisse auch heute noch sind. Der Journalist und Autor Ronen Steinke setzt sich beispielsweise mit Fritz Bauer auseinander. Den Abschluss gestaltet der Liedermacher Wolf Biermann mit „Mein frecher Cousin Heinrich Heine“ (30. Januar).

Zukunft der Erinnerung nach dem Zivilisationsbruch
Angesichts von wachsendem Antisemitismus, dem Ende der Zeitzeugenschaft und einer Migrationsgesellschaft mit vielfältigen Hintergründen und Erfahrungen fragt die Reihe auch nach der Zukunft der Erinnerung im 21. Jahrhundert. Bei dem Podium „Ich habe nichts gegen Juden …“ Antisemitismus in Deutschland suchen Marina Chernivsky, Derviş Hızarcı, Peter Longerich und Natan Sznaider nach wirksamen Strategien gegen Antisemitismus und bringen ihre Erfahrungen aus der praktischen Arbeit ein (25. Oktober). Die Referentinnen und Referenten werden die praktische Arbeit gegen Antisemitismus von unterschiedlichen Seiten beleuchten.

Die Reihe wird gefördert durch 2021JLID – Jüdisches Leben in Deutschland e.V. aus Mitteln des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat. Die Broschüre „Erinnerung für die Zukunft – Jüdisches Leben in Deutschland“ mit allen Veranstaltungen ist kostenlos in den Häusern der Münchner Volkshochschule erhältlich. Stets aktuelle Informationen auch unterwww.mvhs.de/juedisches-leben oder Telefon (089) 48006-0.


Über Ihre Berichterstattung würden wir uns sehr freuen. Bildmaterial und weitere Informationen zum Download finden Sie in unserer Online-Pressebox unter: vhs.link/erinnerung

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