"Im Irrenhaus / da sind die Irren drin". Literatur und Wahnsinn – eine interdisziplinäre Tagung

Pressemitteilung der Münchner Volkshochschule vom 24.4.2018

Wahnsinn – Tollheit – Melancholia – Hysterie – Schizophrenie – Bipolarität: Über die Jahrhunderte entstand eine Fülle von Begriffen, mit denen das von der Norm Abweichende, das Grenzgängerische, das Bizarre oder eben Kranke beschrieben werden sollte. Literatur und Wahnsinn als zwei voneinander zu unterscheidende Bereiche der Weltwahrnehmung standen immer schon in einer engen Beziehung.

"Im Irrenhaus / da sind die Irren drin"
Literatur und Wahnsinn – eine interdisziplinäre Tagung

  • Freitag bis Sonntag, 27. bis 29. April 2018
  • Bildungszentrum Einstein 28, Vortragssaal 1, Einsteinstr. 28
  • Die Offene Akademie der Münchner Volkshochschule in Kooperation mit der Internationalen Heinar-Kipphardt-Gesellschaft, dem Kulturreferat der Stadt München und der Ludwig-Maximilians-Universität.
  • Eintritt frei (Anmeldung erbeten bei den Anmeldestellen der Münchner Volkshochschule unter der Kursnummer G244020, Restkarten vor Ort)
  • Infos: (0 89) 4 80 06-0 oder unter www.mvhs.de/offene-akademie 

Die interdisziplinäre Tagung wird mit Lesungen, Vorträgen und Diskussionen vorstellen, wie sich das Bild von "Wahnsinn" verändert hat und wie sich dieser Wandel in der Literatur ausdrückt. Aktuelle medizingeschichtliche Arbeiten haben psychische Krankheiten wie die Schizophrenie als Konstruktionen individueller Problemgeschichten gezeigt. Diese Konstruktionen lassen sich in der Literatur, in fiktionalen und autobiografischen Texten in der frühen Moderne und verstärkt seit den 1970er Jahren bis hin zur Gegenwart wiederfinden.

Am Samstagabend wird eine Lesung mit Julia Cortis, Sprecherin beim Bayerischen Rundfunk, eine Textcollage zum Thema „Literatur und Wahnsinn“ präsentieren. Beginn: 19 Uhr.

Im Rahmen der Tagung wird in der Werkgalerie im Einstein 28 die Ausstellung „Ernst Herbeck. Eine leise Sprache ist mir lieber“ eröffnet, die Leben und Werk des schizophrenen Dichters zeigt. Eröffnung: Samstag, 28. April, 11 Uhr

Tagungsprogramm

Fr. 27. April

  • 19 Uhr
    Begrüßung: Dorothee Lossin, Münchner Volkshochschule
    Eröffnungs-Statement: Prof. Dr. Sven Hanuschek, LMU/Heinar-Kipphardt-Gesellschaft
  • 19.30 Uhr
    „Die eigene Existenz schnürt mir die Kehle zu“
    Episoden aus Filmen von Elisabeth Scharang (Wien): Die Stadt – Streifzüge durch Wien (ORF, 2014) und Jack (2015)
    Gespräch mit der Regisseurin

Sa. 28. April

  • 9–11 Uhr Literatur und ‚Wahnsinn‘ in der Frühen Moderne
    Hans-Peter Schmiedebach (Berlin): Inzest, Hysterie und Körper – Mela Hartwig und Das Verbrechen
    Corona Schmiele (Caen/Paris): Gottfried Benn: Spaltung, Katatonie und Halluzination als Symptome höherer Gesundheit
  • 11–13 Uhr
    Eröffnung der Ausstellung: Ernst Herbeck. „Eine leise Sprache ist mir lieber“
    Gisela Steinlechner (Wien/Gugging): „Was über ist / ist das Gedicht selber“. Zur Person und Poesie Ernst Herbecks
    Führung der Kuratorin durch die Ausstellung
  • 15–18 Uhr Literatur und ‚Wahnsinn‘ seit den 1970er Jahren (I)
    Laura Schütz (München): Kamalatta: Literarische Stationen einer nicht-lexikalisierten Sprache zwischen Unverständnis und eingreifender Zeichenproduktion (Friedrich Hölderlin, Heinar Kipphardt, Ludwig Lugmeier, Christian Geissler)
    Gideon Stiening (Bremen): Poetik des Verschwindens. Alzheimer und Demenz bei Arno Geiger und Jonathan Franzen
    Heiner Keupp (München): Zur (Re-)Sozialisierung von Normalität und Abweichung
  • 19 Uhr
    Lesung: Literatur und ‚Wahnsinn‘. Eine Textcollage
    Julia Cortis (BR)

So. 29. April

  • 10–14 Uhr Literatur und ‚Wahnsinn‘ seit den 1970er Jahren (II)
    Hans-Edwin Friedrich (Kiel): Der Autor dankt Prinzhorn und Navratil. „Irrsinns-Motive“ bei Eugen Egner
    Yvonne Wübben (Bochum): Psychiatrie für Germanisten. Thomas Melle: Die Welt im Rücken (2016)
    Marcel Schellong (München): “The hardest battles are fought in the mind.” Erfahrung von ‚Wahnsinn‘ im Videospiel. The Town of Light (2016) und Hellblade: Senua's Sacrifice (2017)
  • Abschlussdiskussion


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