Grußwort der Dritten Bürgermeisterin

Liebe Münchnerinnen und Münchner,

er wollte die Welt verändern und sie nicht nur neu interpretieren: Karl Marx ist unbestritten einer der wirkungsmächtigsten Denker der Moderne. Grund genug, sich zu seinem 200. Geburtstag am 5. Mai mit ihm und seinem Werk auseinanderzusetzen – insbesondere mit seiner Kritik an der Dynamik und Wucht des Kapitalismus, die erstaunlicherweise auch 150 Jahre nach Erscheinen des „Kapitals“ noch immer nichts an Aktualität verloren hat.

Dabei erleben wir heute eine Arbeitswelt, die sich im Vergleich zu Marx‘ Lebzeiten fundamental verändert hat. Der Kapitalismus scheint wandlungsfähiger zu sein, als Marx und die Denker, die von ihm inspiriert wurden, es vermutet hätten. Die globalen Folgen dieser rastlosen Dynamik treten uns in zahlreichen aktuellen Problemen täglich neu vor Augen, etwa in den unsicheren Arbeitsbedingungen in vielen Ländern oder den weltweiten Migrationsbewegungen. So ist es für das Verständnis unserer Gegenwart interessant, den denkerischen Schatz, den Karl Marx uns hinterlassen hat, noch einmal zu heben sowie seine Thesen aus heutiger Perspektive kritisch zu hinterfragen und weiterzudenken. Deshalb freut es mich, dass die Münchner Volkshochschule den 200. Geburtstag Marx‘ zum Anlass nimmt, sich in einer Veranstaltungsreihe dessen streitbaren Gedanken zu widmen.

Aus den politischen, ökologischen und sozialen Krisen unserer Tage werden indessen keine neuen Utopien heraus helfen. Weiterbringen wird uns eher das Gegenteil: nämlich Nüchternheit und ein klarer, unabhängiger Verstand.

Derzeit beobachten wir mit Sorge, dass Demokratieverachtung, rechtsextreme Parolen und Fremdenfeindlichkeit unsere offene Gesellschaft herausfordern. In dieser Situation sind wir alle dazu aufgefordert, für die Demokratie zu streiten, sie uns neu anzueignen und unsere Urteilskraft zu schärfen. Das politische und zeitgeschichtliche Programm der Münchner Volkshochschule bietet dafür viele Gelegenheiten. Die Herausforderungen unserer wachsenden Stadt und die Zukunft Europas stehen ebenso auf dem Programm wie die Frage des Umgangs mit rechtsautoritären Bewegungen, die Interpretation aktueller weltpolitischer Spannungslagen und die drängenden Fragen der Flüchtlings- und Migrationspolitik.

„Die Volkshochschule ist eine Werkstatt der Demokratie“ – wie der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck es treffend formulierte. Sie sind eingeladen, sich in der Auseinandersetzung mit einer Vielzahl von Positionen und in der Begegnung mit ganz unterschiedlichen Menschen eine eigene Meinung und ein eigenes Urteil zu bilden.

Kommen Sie und diskutieren Sie mit!

Ihre

Christine Strobl

Dritte Bürgermeisterin der Landeshauptstadt München
und Aufsichtsratsvorsitzende der Münchner Volkshochschule