"Common Wall" im Bildungszentrum Einstein 28

Grußwort der Geschäftsführung

In der Krise?
In die Volkshochschule!


Beim Blick aus dem Foyer der MVHS ist die 15 Meter große Stahlskulptur im Innenhof des Bildungszentrums Einstein 28 nicht zu übersehen. Mit neun Farben symbolisiert die „Common Wall“ die neun Programmbereiche der MVHS als ineinandergreifende und aufeinander aufbauende Formen. Der Name, den die drei Künstlerinnen und Künstler Ina-Marie Kapitola, Sebastian Giussani und Daniel Man ihrem dreidimensionalen Graffiti gegeben haben, symbolisiert einen Grundgedanken der MVHS: einen „Common Ground“ zu bieten, einen gemeinsamen Boden, von dem die Parteien einer noch so kontroversen Debatte ausgehen – und der notwendig ist, um einander zu verstehen.

Die Corona-Pandemie macht wie unter einem Brennglas deutlich, wie sehr unsere Gesellschaft auf einen solchen „Common Ground“ angewiesen ist, um gemeinsam durch diese schwere Zeit zu kommen. Denn die Pandemie verlangt allen viel ab – sei es durch Veränderungen im Berufsleben bis hin zum Verlust des Arbeitsplatzes, sei es durch Erkrankungen im Familien- oder Freundeskreis oder durch die großen Einschränkungen, die das gesamte öffentliche und private Leben beeinflussen. In einer solchen Zeit fällt es manchmal besonders schwer, sich auf Neues einzulassen und Verständnis für andere Positionen – seien sie nun rigider oder relaxter als die eigene – aufzubringen. Die Fragen, die uns an der Münchner Volkshochschule erreichen, zeugen von der Spannbreite der Meinungen unter den Kursteilnehmenden. Sie reichen von „Volkshochschulkurse in der Pandemie – muss das wirklich sein?“ bis „Maskentragen und Abstandhalten im Volkshochschulkurs – muss das wirklich sein?“ 

Wir sind überzeugt: Ja, beides muss wirklich sein! Denn dass der Schutz der Gesundheit unserer Teilnehmenden wie der Dozierenden in der gegenwärtigen Situation oberste Priorität hat, steht für uns außer Frage. Dafür haben wir ein Hygienekonzept entwickelt, das sich inzwischen vielfach bewährt hat. Dass wir gerade in der Corona-Krise weiterhin für Sie, unsere Teilnehmenden, da sein möchten, steht aber genauso außer Frage: Die MVHS hat, wie alle Volkshochschulen in Deutschland, den öffentlichen Auftrag, Bildungs- und Begegnungsangebote für Erwachsene zu schaffen – und ist mit diesem Auftrag sogar in der Bayerischen Verfassung verankert. Dabei ist es – vom Beginn der Volkshochschulen in der Weimarer Republik an – auch unser Auftrag und Anliegen, einen „Common Ground“, einen gemeinsamen Boden für unsere gesellschaftlichen Debatten und unser Zusammenleben zu ermöglichen. Und das in doppelter Hinsicht. 

Ein diskursiver „Common Ground“ entsteht im Dialog, im Diskutieren und Streiten über wichtige Themen – und in der Einigung auf Fakten und Spielregeln. Deshalb können Sie im Vortragsprogramm mit Wissenschaftlern, Politikerinnen und anderen Experten über die aktuellen Entwicklungen und Entscheidungen zur Pandemie diskutieren, im Gesundheitsprogramm theoretisches wie praktisches Wissen darüber erwerben, wie man z.B. sein Immunsystem stärkt und in den mathematischen und naturwissenschaftlichen Kursprogrammen noch einmal nachvollziehen, wie man exponentielles Wachstum berechnet. Für genauso wichtig halten wir es, einmal Abstand vom Pandemie-Alltag zu nehmen und sich anderen Themen zuzuwenden: eine neue Sprache, ein Instrument oder Kunsthandwerk lernen, sich künstlerisch ausdrücken, die Stadt und die Natur erkunden. Für viele ältere Menschen sind unsere Kursangebote auch eine Gelegenheit, der sozialen Isolation ein wenig zu entkommen. 

Schließlich ist es uns wichtig, all denjenigen, die an der Münchner Volkhochschule die deutsche Sprache erlernen, sich beruflich qualifizieren oder sich auf einen Schulabschluss vorbereiten, gerade unter den Bedingungen der Pandemie einen kontinuierlichen und sicheren Unterricht zu gewährleisten. Und auch die Kinder unseres Kinderhauses brauchen weiterhin ein zuverlässiges und gutes Betreuungsangebot. 

All das gehört für uns nicht nur zu unserem weit gefächerten Programmauftrag, sondern schafft, ganz nebenbei, auch einen zweiten, handfesten „Common Ground“: nämlich ein gemeinsames Interesse ganz unterschiedlicher Menschen, dem am Begegnungsort Volkshochschule nachgegangen werden kann – auch und gerade dann, wenn die Kursteilnehmenden in ihrem Alltag sonst keine Berührungspunkte miteinander haben. Dann entsteht die Möglichkeit, vom Gemeinsamen ausgehend Unterschiede zu erfahren, neue Standpunkte und Sichtweisen kennenzulernen und vielleicht sogar einzunehmen. 

Das jedenfalls wünschen wir Ihnen für das neue Volkshochschuljahr 2021!

Dr. Martin Ecker
Managementdirektor

Dr. Susanne May
Programmdirektorin