Russland erzählt


Literatur – in Russland nicht erst seit der Oktoberrevolution häufig als Akt geistigen Widerstands verstanden – wird bis heute intensiv rezipiert und unterliegt oft rigider staatlicher Zensur. Lang ist die Liste berühmter Literaten, die mit ihrer Heimat über die Sprache eng verbunden sind, obwohl sie den Großteil ihres Lebens im Exil verbrachten. Zeitgenössische Autoren und Autorinnen wie Lena Gorelik, Olga Martynova und Oleg Jurjew, die Russland aus unterschiedlichen Gründen verlassen mussten, reflektieren ihre Wahrnehmung des Exils.

Damit knüpfen sie an jene Autoren und Autorinnen an, die nicht mehr für sich selbst sprechen können. Dem Werk Ossip Mandelstams, Ilja Ehrenburgs und Joseph Brodskys widmen sich drei Lesungen, begleitet von Förderern der russischen Literatur wie Ralph Dutli, Peter Hamm und Michael Krüger.

 

 

 


Foto Lena Gorelik
Foto: © Marie Amrei

Lena Gorelik:
Die Listensammlerin

Lesung, Dienstag, 16.1., 19 Uhr
Gasteig, Black Box, € 7.–, mit MVHS-Card

Lena Gorelik, geboren in Sankt Petersburg, kam 1992 mit ihrer russisch-jüdischen Familie als „Kontingentflüchtling“ nach Deutschland. Ihr Buch „Hochzeit in Jerusalem“ war 2007 für den Deutschen Buchpreis nominiert.

Sofias Tochter wird am Herzen operiert, ihre überfürsorgliche Mutter ist mehr Last als Hilfe, und ihre Großmutter dämmert dement vor sich hin. Nur ihre Leidenschaft, Listen anzulegen, bringt ein wenig Ordnung ins Leben. Da macht sie eine Entdeckung: eine andere Listensammlung. Über diesen Fund stößt Sofia auf einen geheimnisvollen Onkel: Grischa, ein Querkopf, der alle in Gefahr brachte und den trotzdem alle liebten. Lena Gorelik erzählt in ihrem Roman mitreißend und mit herrlich originellen Figuren die Geschichte von Grischa und Sofia.


Foto Peter Hamm
Foto: © Wikicommons

Ilja Ehrenburg: Ein jüdischer Schriftsteller aus Russland
Ein Abend mit Peter Hamm

Lesung, Mittwoch, 17.1., 19 Uhr
Jüdisches Gemeindezentrum, St.-Jakobs-Platz 18, € 8.– 

Peter Hamm, Literaturkritiker und Lyriker, hat sich als Herausgeber von Ehrenburgs Texten intensiv mit diesem einzigartigen Autor beschäftigt und blickt auf ein zwischen Ost und West zerrissenes Leben.

Der russische Schriftsteller Ilja Ehrenburg wurde zwischen den beiden totalitären Regimen des 20. Jahrhunderts zerrieben – als Jude und Kommunist war er durch die Nationalsozialisten ebenso bedroht wie durch die Drohungen Stalins, der sein Leben zwar verschonte, ihn aber zum Spielball seiner Propaganda machte. Seine literarischen Werke waren oft Welterfolge, vor allem sein Roman „Tauwetter“, der schließlich die gesamte Epoche der Entstalinisierung überschrieb.


Foto Michael Krüger
Foto: © privat

Joseph Brodsky – Lyrik des Exils
Ein Abend mit Michael Krüger

Lesung, Mittwoch, 31.1., 19 Uhr
Gasteig, Black Box, € 8.–, mit MVHS-Card

Michael Krüger war viele Jahre Geschäftsführer des Carl Hanser Verlags und Herausgeber der Literaturzeitschrift AKZENTE. Er ist Autor von Gedichten, Novellen und Romanen und erhielt unter anderem den großen Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.

Die russische Poesie ist vor allem mit jener Reihe von Namen verbunden, die mit Puschkin beginnt und mit den unter dem Sowjetsystem drangsalierten Dichtern endet: mit Anna Achmatowa, Marina Zwetajewa und Ossip Mandelstam, mit den Futuristen bis hin zu Welimir Chlebnikow, mit dem großen Boris Pasternak und mit Joseph Brodsky, dem außerordentlichen Lyriker des Exils. Er erhielt 1987 den Literaturnobelpreis für sein lyrisches Werk. Aber auch seine poetologischen Essays gehören genuin zu seinem OEuvre.

Michael Krüger, sein deutscher Verleger, wird einige der schönsten Gedichte Joseph Brodskys in deutscher Übersetzung zitieren und über das wilde Leben des Autors in der Sowjetunion und im Exil in den Vereinigten Staaten sprechen.

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Foto Olga Martynova und Oleg Jurjew
Foto: © Robert Bosch Stiftung

Zwischen den Tischen – dichterisches Leben im Exil
Ein Abend mit Olga Martynova und Oleg Jurjew

Lesung, Donnerstag, 8.2., 19 Uhr
Gasteig, Black Box, € 7.–, mit MVHS-Card

Was ist Exil? Was ist Freiheit? Was ist Heimat? Seit sie aus Russland emigrierten, werden Olga Martynova und Oleg Jurjew immer wieder mit diesen Fragen konfrontiert. Ein Dichterpaar im Dialog. Von einem Schreibtisch zum anderen und zurück.

Oleg Jurjew, der den Hilde-Domin-Preis für Literatur im Exil erhielt, liest Gedichte und trägt Auszüge aus seinen Essays vor, die sich mit dem Exil auseinandersetzen.

Olga Martynova, Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin, wird verschiedene Seiten ihres Schreibens präsentieren: von verspielten Gedichten bis zur Kulturgeschichte des berühmten russischen Salats.

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Foto Ralph Dutli
Foto: © Wallstein Verlag Göttingen

Eine Stimme aus dem Jahrhundert der Wölfe: Ossip Mandelstam
Ein Abend mit Ralph Dutli

Lesung, Mittwoch, 14.2., 19 Uhr
Stiftung Lyrik Kabinett, Amalienstr. 83a, € 8.–, Eintritt frei für Mitglieder des Lyrik Kabinetts

Ralph Dutli lebt als freier Autor und Übersetzer in Heidelberg. Er hat die zehnbändige Ossip-Mandelstam-Gesamtausgabe herausgegeben und erhielt unter anderem den Johann-Heinrich-Voss-Preis 2006 der deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

Der große Dichter und Europäer Ossip Mandelstam (1891-1938) entlarvte Stalin als „Seelenverderber“ und musste seine hellhörigen Gedichte, die von der zerbrechlichen Würde des Menschen in einer Zeit größter Gefährdung berichten, mit dem Tod im Gulag bezahlen: „In der Sowjetnacht werde ich beten / Für das selige sinnlose Wort“.

Ralph Dutli, Mandelstams Übersetzer und Biograf, präsentiert Texte des Autors in russischer und deutscher Sprache.

In Kooperation mit der Stiftung Lyrik Kabinett

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