Das Volk

Konzeptionen politischer Kollektivität

Fot Eugène Delacroix – Le 28 Juillet. La Liberté guidant le peuple
Foto: © Eugène Delacroix – Le 28 Juillet. La Liberté guidant le peuple

„Was ist der Dritte Stand?
Alles und noch mehr.
Was ist er bis jetzt in der
politischen Ordnung gewesen?
Nichts. Was verlangt er?
Etwas zu sein und so zu bestehen
wie er immer sein wird.“

Abbé Emmanuel Joseph Sieyès, 1789

Eng verbunden mit dem Vormarsch der Populisten ist der Begriff des „Volkes“, der bei Demonstrationen und Kundgebungen häufig Verwendung findet. Als Grenzbegriff des Staats- und Verfassungsdenkens verweist der Begriff einerseits auf eine ungebundene, „vorpolitische“Macht und andererseits auf diejenige Macht, die die politischen Gewalten aller erst hervorbringt: den Souverän des Volkes.

Derzeit lässt sich beobachten, dass diese republikanische Konzeption des Volkes in mehrfacher Hinsicht fraglich geworden ist. Erstens angesichts der aktuellen Entwicklung globaler, transnationaler Politiken und der damit verbundenen Frage nach dem „Wir“. Zweitens in der politisch-theologischen Bedeutung des Volkes als Bundesschluss. Drittens in Konzeptionen des Volkes als geschlossener, homogener Identität, die eine strikte Grenze zwischen Innen und Außen neu zu definieren beansprucht, was sich in dem Ruf: „Wir sind das Volk“ manifestiert.
Insbesondere die aktuelle identitätspolitische und illiberale Aufladung des Volksbegriffes der neuen Rechten zwingt dazu, nach der Bedeutung des „Volkes“ zu fragen und dessen begriffliche Grundlagen neu zu klären.

An vier Abenden wird daher an der Münchner Volkshochschule der Begriff des „Volkes“ in unterschiedlichen Dimensionen betrachtet: Das Volk als ethnischer Begriff steht im Fokus von Armin Nassehi, Soziologe an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Das Volk als Bundesvolk betrachtet der Alttestamentler Michael Konkel von der Theologischen Fakultät Paderborn. Den Volksbegriff, den das Grundgesetz im Blick hat, beleuchtet der bekannte Rechts- und Politikwissenschaftler Ulrich K. Preuß und auf die Frage, ob es ein europäisches Volk gibt, versucht Ulrike Guérot, die Direktorin des European Democracy Lab, eine Antwort zu geben.

  • Donnerstag, 16.3., 19 Uhr
    Prof. Dr. Armin Nassehi
    Das Volk als homogene Einheit?
    Armin Nassehi ist Inhaber des Lehrstuhls für Soziologie an der Ludwig- Maximilians Universität München. Seine Schwerpunkte sind Kultursoziologie sowie Politische Soziologie.
    Er diskutiert die identitätspolitische Verwendung des Volksbegriffes.
     
  • Donnerstag, 23.3., 19 Uhr
    Prof. Dr. Michael Konkel
    Gott und sein Volk

    Prof. Dr. Michael Konkel ist Inhaber des Lehrstuhls für Altes Testament an der Theologischen Fakultät Paderborn. Er betrachtet religiöse Implikationen des Volksbegriffs, ausgehend von der Bundestheologie in Judentum und Christentum.

  • Donnerstag, 30.3., 19 Uhr
    Prof. Dr. Ulrich K. Preuß
    Das Volk der Verfassung

    Prof. Dr. Ulrich K. Preuß ist emeritierter Professor für Staatstheorie und lehrte unter anderem an der Freien Universität Berlin sowie der Hertie School of Governance. Der Rechts- und Politikwissenschaftler beleuchtet den Begriff des Volkes in seiner verfassungspolitischen Bedeutung.
    Einstein 28, Vortragssaal 1
    € 7.–, auch mit MVHS-Card
    >> Anmeldung und Details

  • Donnerstag, 6.4., 19 Uhr
    Prof. Dr. Ulrike Guérot
    Gibt es ein europäisches Volk?

    Prof. Dr. Ulrike Guérot ist Professorin für Europapolitik und Demokratieforschung an der Donau-Universität Krems sowie Gründerin des "European Democracy Lab" in Berlin. Die Politikwissenschaftlerin geht der Frage nach, wie sich der Volksbegriff mit der europäischen Integration verträgt.
    Einstein 28, Vortragssaal 1
    € 7.–, auch mit MVHS-Card
    >> Anmeldung und Details