Hans Maier: Sind Religionen demokratiefähig?

   


Lektionen zu einem spannungsvollen Verhältnis

Vorlesungsreihe mit Prof. Dr. Hans Maier 

15. März bis 23. Mai 2012

 © Isolde Ohlbaum

   

 In der politischen Theorie wird die Demokratie in der Regel auf die klassische Antike und die neuzeitliche Vertragstheorie zurückgeführt. Weitaus weniger wird nach den religiösen Wurzeln der Demokratie gefragt. Dies ist umso erstaunlicher, als der demokratische Verfassungsstaat der Gegenwart zum einen aus den traumatischen Erfahrungen der europäischen Glaubenskriege erwuchs.

In einem historischen Lernprozess entstand in der Folge das zentrale Prinzip der Neutralität in Glaubens- und Weltanschauungsfragen mit seinen unterschiedlichen Ausprägungen vom französischen Prinzip der Laïcité bis zur stärkeren Betonung der positiven Religionsfreiheit in Deutschland. Zum anderen beerbt der moderne Verfassungsstaat religiöse, insbesondere jüdisch-christliche Traditionen zur ethischen und normativen Begründung seiner eigenen, weltlich-politischen Ordnung.

Zugespitzt hat dies beispielhaft Alexis de Tocquevilles einmal formuliert: „Das Christentum, das die Menschen gleich gemacht hat vor Gott, wird sich nicht dagegen wenden, dass die Bürger gleich werden vor dem Gesetz.“

Die Vorlesungsreihe mit Prof. Dr. Hans Maier, dem ehemaligen bayerischen Kultusminister und emeritierten Inhaber des Guardini-Lehrstuhls für christliche Weltanschauung, diskutiert in vier Lektionen unterschiedliche Verhältnisbestimmungen von Religion und Politik. Er fragt danach, welche Rolle religiöse Antriebe, Motive und Erzählungen in der Entwicklung der modernen Demokratien gespielt haben – sei es hemmend oder beschleunigend, verhindernd oder stimulierend.